Veranstaltung "Kirche in Zeiten des Rechtsrucks" in der DÜNE in Lüneburg:Schutzraum, Dialograum und "Bollwerk gegen die Einsamkeit"

Rund 50 Gäste diskutieren bei Pascal Mennens Veranstaltungsreihe "Der Landtag in Lüneburg" über die Rolle der Kirche in Zeiten einer erstarkenden politischen Rechten.

Rund 50 Gäste diskutieren bei Pascal Mennens Veranstaltungsreihe "Der Landtag in Lüneburg" über die Rolle der Kirche in Zeiten einer erstarkenden politischen Rechten. 

Jeder Mensch, der zur Kirche gehören möchte, gehört dazu, aber nicht jede Haltung - das sei ein schwieriger Spagat, wie die promovierte Theologin Dr. Dorothea Noordveld erklärt. "Jeder Mensch" - dieser Anspruch erinnert doch an das Grundgesetz? Das sagt auch Michael Lühmann, neben Dorothea Noordveld der zweite Gast und Fraktionskollege von Mennen in der Grünen Landtagsfraktion in Hannover: "Die unteilbare Menschenwürde ist eigentlich derselbe Ausgangspunkt, von dem aus Kirche und Politik denken." Er selbst, aufgewachsen in der DDR und engagiertes Kirchenmitglied, habe Kirche immer als Schutzraum erlebt - zunächst vor der SED-Diktatur, später vor dem erstarkenden Rechtsextremismus der neunziger Jahre in den neuen Bundesländern. Kirche kann also schützen, aber was kann sie proaktiv tun gegen den Rechtsruck? Noordveld weiß zu überzeugen: "Die Kirche kann ein Bollwerk gegen Einsamkeit sein. Genau solche Einsamkeit ist doch der Nährboden für rechtspopulistische Erzählungen, die Hoffnung durch einfache Lösungen versprechen." Und sie solle, so die Pastorin von der St.-Johannis-Kirche, nicht nur Schutzraum, sondern auch Dialograum sein. Die gesellschaftlichen Fronten seien verhärtet genug, da würden wohl viele zustimmen. Umso mehr braucht es einen Raum, in dem man zusammenkommt, zuhört, sich austauscht - nicht immer nur zu großen weltbewegenden Fragen, sondern auch einfach zur Frage: "Wie geht es dir?".

Die sichtlich bewegten Besucher*innen der Veranstaltung stellten viele Fragen und hatten viel Diskussionsbedarf - einig waren sich alle in einem: es braucht jede und jeden einzelnen, um sich dem erstarkenden Rechtsextremismus entgegenzustellen. Michael Lühmann gibt aber Zuversicht: "Wenn wir mit ein paar Kerzen in der Hand 1989 eine Revolution herbeigeführt haben, dann schaffen wir es auch, unsere heutige Demokratie zu beschützen und zu erhalten."

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