Pascal Mennen: Rede zur Mediennutzung an Schulen und kostenlosen Tablets ab Klasse 7
TOP 20-22 Mediennutzung an Schulen und kostenlose Tablets ab Klasse 7
- Es gilt das gesprochene Wort -
Wir sind ja alle gerade mehr oder weniger im Fußball-Freudentaumel und da erinnere ich mich gut an das Sommermärchen 2006. Weiß jemand, welche Handy-App zu diesem Zeitpunkt die meistgenutzte in Deutschland war?
Das ist gerade zwanzig Jahre her, also etwa ein Abitur-Leben und die älteren unter uns werden es vielleicht gewusst haben: Es gab keine App fürs Handy. Kein Tiktok, kein Facebook (2008), kein Kicker...
Das zeigt, wir debattieren auch heute über ein extrem schnelllebiges Thema und das hat das niedersächsische Kultusministerium erkannt und entsprechend gehandelt.
Liebe Kolleg*innen der CDU, bei Ihnen bin ich mir sicher, dass Sie genau wie die Regierungskoalition grundsätzlich das Wohl der Schüler*innen im Blick haben. Dass Ihnen ebenso selbstverständlich daran gelegen ist, den Schulalltag in Zeiten digitaler Chancen und Gefahren gewissenhaft und klug zu organisieren.
Auch Ihnen ist daran gelegen, dass unseren Schüler*innen die Werte vermittelt werden, auf denen unsere freiheitliche, menschenachtende, demokratische Ordnung basiert.
Das ist wichtiger denn je.
Das Geschäftsmodell "der Partei des Hasses", wie es Michel Friedmann hier im Haus formuliert hat, basiert hingegen auf Spaltung, Desinformation, Unfrieden schaffen und Feindbilder aufbauen.
Das Instrument der Populist*innen sind die digitalen Medien. Auch darum müssen wir unsere Schüler*innen stärken, unsere Lehrkräfte fortbilden und die Eltern informieren.
Was ist schon alles umgesetzt worden in dieser Legislatur? Es gibt neben den erwähnten fachlichen Qualifizierungen eine Handyhandreichung, die vor allem hilfreiche Informationen enthält und unter anderem aufzeigt, warum ein gemeinsames Erarbeiten der Regeln zusammen mit den Schüler*innen wichtig ist, damit Regeln am Ende bspw. eine breite Akzeptanz genießen.
Darüber hinaus wurde den Schulen ein Werkzeugkasten zur Verfügung gestellt. Dieser wird mir regelmäßig als extrem hilfreich beschrieben. Enthalten sind zum Beispiel eine Checkliste zur Schüler*innenbeteiligung, rechtlich geprüfte Musterschulordnungen, mehrsprachige Elterninformationen sowie erprobte gute Umsetzungsbeispiele und vieles mehr. Das Umsetzungsmotto des Ministeriums ist somit erstens Klarheit und zweitens Entlastung und – wie gesagt – dazu gibt es zurecht sehr überwiegend positive Rückmeldungen.
Wir plädieren dafür, den Schulen vor Ort eine gewisse Entscheidungsfreiheit zu überlassen und dennoch weiß ich als Lehrer und guter Landesbeamter, was eine konkrete Empfehlung des Kultusministeriums gleichzeitig bedeutet: ich muss sie umsetzen. Rechtssetzend ist somit ein Verbot bis einschließlich Klasse 6, das hat Ihnen gestern schon die Ministerin in der Debatte zum Schulgesetz selbst erklärt. Die Möglichkeit dies bei erprobten Konzepten anders zu lösen, eine so genannte Opt-out-Regel, gibt es in sämtlichen anderen (auch CDU-geführten) Bundesländern übrigens ebenfalls.
Aber: niemand kennt die spezifischen Strukturen der Schule besser als die Schule selbst. Ich traue unseren Schulen zu, beispielsweise über Aspekte der Handy-Nutzung klug selbst zu entscheiden. Wichtig ist: Wir prüfen zuvor den rechtlichen Rahmen und schaffen Leitlinien, dafür einen herzlichen Dank an die Ministerin.
Wir haben somit zum Thema Handy- und Smartwatchnutzung in Niedersachsen vieles auf den Weg gebracht, was den Schulen hilft und setzen uns mit Medien- und Demokratiebildung, die wir auch über die politische Liste nochmal deutlich gestärkt haben, auch auf inhaltlicher Ebene mit dem Thema in den Schulen auseinander. Gerade diesen Aspekt finde ich als Pädagoge elementar.
Dazu passt, dass wir mit den vom Land bereitgestellten Tablets, nun ein für alle vorhandenes Medium haben. Dass das Vergabeverfahren dafür so schnell umgesetzt werden konnte, verdanken wir einer erheblichen Mehrarbeit im Kultusministerium, sehr schön, dass das geklappt hat und dass zusätzlich dicke Bretter wie die Systemadministration mit den Kommunen gelöst wurden!
Mit Telly haben wir außerdem eine niedersächsische KI für die Schulen, an der die kritische Auseinandersetzung geübt werden kann. Die Unterrichtungen im Ausschuss haben gezeigt, wie sehr das Kultusministerium all diese Notwendigkeiten erkannt hat und was gerade alles getan wird. Und wenn ich in die eben frisch veröffentlichten Empfehlungen der Expertenkommission auf Bundesebene schaue, dann stelle ich schon eine 95%ige Deckungsgleichheit in den Schulen betreffenden Fragen fest, deshalb auch hier einen großen Dank für diese vorausschauende Arbeit des Ministeriums.
Zu unterscheiden ist das Thema Handynutzung in der Schule aber vom Thema des Social-Media-Verbots, über das wir im nächsten Tagesordnungspunkt diskutieren. Deshalb möchte ich hier aus meiner Sicht als Lehrer nur einen Satz verlieren: wir müssen den Schutz unserer Kinder in den Blick nehmen und gleichzeitig das Recht auf Selbstbestimmung ernst nehmen. Die große dahinterliegende Herausforderung zeigt sich schon darin, dass sich Expertenkommission und Deutscher Ethikrat bspw. in Teilen widersprechen.
Lassen Sie uns über eine landesweite Aktion "Handy aus, Kopf an" nachdenken. Lassen Sie uns selbstkritisch sein, um Vorbild sein zu können.
Denn zur Wahrheit gehört ja auch, dass es um ein gesamtgesellschaftliches Problem geht, dass wir uns von Algorithmen leiten lassen und dass auch ich mich gleich auf meinen Platz setze und nach wenigen Augenblicken auf mein Handy schaue. Da hat mich der Kollege Reinken ja schon mal ertappt. Ich habe das nicht vergessen. Für unsere Schulen hat diese Landesregierung und hat diese Kultusministerin in jedem Fall die wichtigen Grundlagen gelegt, herzlichen Dank!