Pascal Mennen: Rede zum digitalen Lernen und kostenfreien Tablets für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7

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TOP 38: Gleiche Chancen im digitalen Lernen: Kostenfreie Tablets für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Abgeordnete,

erlauben Sie mir einen kurzen Zeitsprung: In den späten 70er Jahren tobte ein riesiger bildungspolitischer Streit um die Einführung von Taschenrechnern im Mathematikunterricht. Das Abendland war quasi bedroht.

Vor genau 50 Jahren wurde in der Bundesrepublik die Nutzung erlaubt. Kleiner Fun-Fakt: In der DDR dauerte es bis in die 80er Jahre und hieß offiziell "schulischer Rechenschieber-Ersatz SR1". Herzlichen Glückwunsch nachträglich auch dazu, dass Kinder und Jugendliche in den vergangenen Jahrzehnten weiterhin gut und vermutlich auch besser als zuvor Rechnen gelernt haben.

Heute reden wir über eine weitere technische Entwicklung im Schulsystem, nämlich die landesweite Einführung kostenloser Tablets. Und sie wird schlecht geredet, wo es nur geht. Es werden Probleme herbeigeredet und denen, die an den Schulen beteiligt sind, wird Angst gemacht.

Mit diesem Antrag heute zeigen wir, dass wir eben nicht nur Geräte auf die Schultische stellen wollen, sondern dass an einem schlüssigen pädagogischen und organisatorischen Gesamtkonzept gearbeitet wird.

Die AfD lehnt die Einführung der Tablets ab, oder wie es Fraktionschef Klaus Wichmann im NDR-Sommerinterview sagt: "Wir sind ja früher auch ohne digitale Geräte zur Schule gegangen und haben durchaus gute Ergebnisse erzielt." Wie war das mit dem Taschenrechner und der bildungspolitischen Bankrotterklärung der sogenannten AfD? Haken dran.

Die CDU hingegen ist offenbar etwas verzweifelt, was ich verstehen kann. Denn im Grunde wissen Sie alle, dass das hier der richtige Weg ist. Die Rekordinvestitionen in unser Bildungssystem sind richtig. Aber weil Sie als Opposition kritisieren müssen, formulieren Sie etwas hilflos und hochtrabend, es bräuchte eine "budgetbasierte digitale Förderung". Wem wollen Sie denn sagen, dass sie das Arbeitsgerät selbst kaufen sollen und angeblich auch können? Es sind eben nicht nur die bildungs- und teilhabeberechtigten Kinder und Familien, die es sich nicht leisten können. Wir wollen Bildung, die sich alle leisten können, und zu dieser Bildung gehört eben heute auch das Tablet.

Sehr geehrte Abgeordnete,

da bin ich froh, dass im Ministerium von Julia Hamburg pragmatisch, zielführend und bildungspolitisch klug gehandelt wird.

Alle Schüler*innen sollen von Klasse 7 an im Land Niedersachsen zum Schuljahr 2026/2027 kostenfrei – und jahrgangsweise aufsteigend – mit Tablets (eben nicht nur iPads) ausgestattet werden. Und da höre ich aus den Kommunen und Schulen vor allem den Wunsch, es einfach zu gestalten und ohne großen organisatorischen Aufwand. Da ist Ihr Vorschlag von der CDU – ein angepasster Digital-Haushalt mit Prüfungen oder Selbsterklärungen der Eltern, Budgetverhandlungen und Co. – doch genau das Gegenteil, nämlich ein riesiges Bürokratiemonster.

Wir wollen eine didaktische Einbettung der Geräte, die wir den Schüler*innen und Lehrkräften zur Verfügung stellen werden, eine nachhaltige Nutzung, Fortbildungen für Lehrkräfte und ein Anknüpfen an bestehende Konzepte. Das beinhaltet auch die einfache Auswahl zwischen verschiedenen Geräten. Der Antrag schafft eine wichtige Grundlage für eine bürokratiearme, didaktisch eingebettete und gut organisierte Ausgabe der Geräte vom kommenden Schuljahr an.

Sehr geehrte Abgeordnete,

der Taschenrechner wurde damals zum Schrecken aller bildungspolitischen Dinosaurier. „Die Kinder verlernen das Rechnen, sie werden faul und mathematisch dumm“… Das ist Mumpitz. Längst weisen internationale Studien nach, dass technische Hilfsmittel – intelligent eingesetzt – den Lernprozess beschleunigen und die Kreativität fördern. Legen Sie deshalb Ihr Dinosaurierkostüm ab und lassen Sie uns gemeinsam den Weg gehen, die Schulen, die es klug in ihren Unterricht einbinden wollen, nicht nur mit kostenfreien Geräten zu versorgen, sondern ihnen mit diesem Antrag auch den entsprechenden Rahmen für eine gute Nutzung zu geben.

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