Antrag: Offensive für mehr Bildungsqualität in Niedersachsen - für bessere Lernzeit, höhere Kompe-tenzen und mehr Bildungsgerechtigkeit

Der Landtag wolle beschließen:

Entschließung

Gute Bildung ist kein Zufall - sie braucht Qualität, Verbindlichkeit und gemeinsame Verantwortung. Der IQB Bildungstrend 2024 zeigt: Niedersachsens Schülerinnen und Schüler liegen unter dem Bundesdurchschnitt. Defizite entstehen früh und werden durch Schulabsentismus und Schulabgänge ohne Abschluss verschärft. Angesichts dieser Ausgangslage ist eine Qualitätsoffensive zur Stärkung der Schulen in Niedersachsen nötig.

Niedersachsen steht vor großen bildungspolitischen Herausforderungen: wachsende Heterogenität der Schülerschaft, Lehrkräftemangel, steigende Anforderungen an Schulen sowie deutliche Kompetenzrückstände, die sich insbesondere in den Basiskompetenzen Lesen, Schreiben, Mathematik und sozial-emotionaler Entwicklung zeigen. Gleichzeitig wächst der Anspruch, Bildungseinrichtungen zu Orten gelingender Lernbiografien, verlässlicher Förderung und demokratischer Teilhabe zu machen.

Vor diesem Hintergrund kann eine landesweite Qualitätsoffensive Bildung in Niedersachsen, die Schule und Übergänge systematisch zusammendenkt und auf nachhaltige Verbesserung der Bildungsqualität ausgerichtet ist, wesentliche Verbesserungen erzielen.

Vor diesem Hintergrund begrüßt der Landtag:

–    Die Einführung von drei zusätzlichen Unterrichtsstunden „Sichere Basis“ in der Primarstufe zur Ausweitung des Unterrichtsangebots und der Förderung der Basiskompetenzen „Lesen, Rechnen, Schreiben“ und „soziales Lernen“ bei Schülerinnen und Schülern in der Grundschule und in diesem Zusammenhang die Projekte „Lesen macht stark“, „Mathe macht stark“, Leseband, Bücherkoffer sowie die Anschaffung von digitalen Diagnosetools,

–    den Freiräumeprozess, der Schulen mehr Gestaltungsoptionen für passgenaue und bedarfsgerechte Lösungen der Schul- und Unterrichtsentwicklung eröffnet,

–    die niedersächsische Umsetzung des Startchancen-Programms, die die Eigenverantwortung der teilnehmenden Schulen stärkt und gleichzeitig auf datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung setzt,

–    die Stärkung der Förderstunden zur Sprachförderung,

–    Fortbildungen zur Steigerung der Unterrichtsqualität und Vermittlung von Basiskompetenzen,

–    die Erlasse für Haupt-, Real- und Oberschulen zur Stärkung der Basiskompetenzen sowie offenen Ausgangsstufe.

Der Landtag bittet die Landesregierung,

1. eine landesweite strategische Qualitätsoffensive für Schulen mit klaren, überprüfbaren Zielen zu initiieren und in diesem Zusammenhang die datengestützte Schulentwicklung zu entwickeln und umzusetzen. Bildungsgerechtigkeit soll dabei im Mittelpunkt stehen. Zentrales Element ist eine datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung, um Kinder und Jugendliche gezielt zu fördern, Mindeststandards zu sichern sowie Schul- und Unterrichtsqualität wirksam weiterzuentwickeln. Dafür sollen verlässliche, transparente und vergleichbare Daten genutzt werden. Konkrete Handlungsfelder könnten sein:

a. Kompetenzorientierten Unterricht fördern und kompetenzorientierte Prüfungen ermöglichen sowie Lernangebote inklusive der zugehörigen Materialien wirksam gestalten.

b. Basiskompetenzen systematisch sichern, eine verlässliche Lernzeit, qualitative Förderung und multiprofessionelle Unterstützung ermöglichen.

c. Wohlbefinden, emotionale und soziale Motivation und Kompetenzen von Kindern fördern und Bildungsgerechtigkeit stärken.

d. Evidenz- und datenbasierte Schul- und Unterrichtsentwicklung ausbauen und die Unterrichts- und Angebotsqualität stärken.

e. Verbindliche Steuerung und gemeinsame Verantwortung mit Kommunen stärken und sozialräumlich denken und handeln.

f. Digitale Basiskompetenzen und Medienkompetenz stärken.

g. Sprachbildung: Früher, verbindlicher, übergreifender;

2. in jedem Handlungsfeld verbindliche Maßnahmen vorzusehen, die insbesondere die Basiskompetenzen der Schülerinnen und Schüler stärken, Motivation, Lernfreude und Selbstwirksamkeit fördern sowie soziale Herkunft als Bildungsrisiko wirksam reduzieren;

3. zu prüfen, wo und wie Daten einen Beitrag für bessere Bildung leisten und eine längerfristige Planung ermöglichen, und hierzu eine Fokussierung auf verbindliche Ziele vorzunehmen; eine datengestützte Qualitätsentwicklung der Maßnahmen schrittweise einzuführen und kontinuierlich weiterzuentwickeln, um verlässliche, transparente und vergleichbare Daten für die Schul- und Unterrichtsentwicklung zu erlangen; dabei ist die Belastung der Schulleitungen und Lehrkräfte stets im Blick zu behalten;

4. Fortbildungen zur Steigerung der Unterrichtsqualität und Vermittlung von Basiskompetenzen durchzuführen sowie Lehrkräfte durch mehr Fort- und Weiterbildungsangebote bei der Gestaltung eines modernen, lebensnahen und motivierenden Unterrichts zu unterstützen, damit Schülerinnen und Schüler besser erreicht, stärker eingebunden und für das Lernen begeistert werden können; des Weiteren einen Prozess zu starten, um perspektivisch eine verpflichtende Teilnahme an Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte als Professionalisierungsstrategie in Niedersachsen einzuführen.

Begründung

Ziel der Qualitätsoffensive ist es, die Lern- und Förderbiografien von Kindern und Jugendlichen von der frühen Bildung bis zum Schulabschluss dauerhaft zu verbessern. 

Die aktuellen Herausforderungen in der frühkindlichen und schulischen Bildung in Niedersachsen erfordern eine verbindliche, systematische und wirksame Qualitätsentwicklung. Einzelmaßnahmen und kurzfristige Programme reichen nicht aus, um Unterrichtsqualität, Lernerfolge und Bildungsgerechtigkeit nachhaltig zu verbessern. Notwendig ist eine übergreifende Gesamtstrategie, die politische Zielsetzungen, strategische Steuerung und konkrete Maßnahmen miteinander verbindet.

Eine zentrale Grundlage hierfür sind verlässliche und aussagekräftige Daten. Nur durch datengestütztes Handeln kann Schul- und Unterrichtsentwicklung gezielt gesteuert, überprüft und weiterentwickelt werden. Dieses Vorgehen muss verbindlich und abgestimmt durch die Regionalen Ämter für Schule und Bildung, die zuständigen Qualitäts- und Fortbildungsinstitutionen sowie die Schulen erfolgen. Ziel ist eine unterstützende Steuerung, die Schulen stärkt und entlastet - nicht Kontrolle oder Sanktionierung.

Die Qualitätsoffensive bündelt Maßnahmen für Schulen und setzt dort an, wo Lernen tatsächlich stattfindet: in den (auch vorschulischen) Lernzeiten und im Fachunterricht. Durch einen klaren Fokus auf evidenzbasierte und wirksame Maßnahmen wird sichergestellt, dass die pädagogische Qualität spürbar verbessert wird und bei den Lernenden ankommt.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Verbesserung der Unterrichts- und Angebotsqualität, verlässliche und sinnvoll genutzte Lernzeiten, der systematische Aufbau starker Basiskompetenzen sowie das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Beteiligung der Lernenden und der pädagogischen Fachkräfte. Eine solche Qualitätsoffensive ist ein zentraler Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit und zu einer zukunftsfähigen Bildungslandschaft in Niedersachsen.

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